Tentakulum Painters Threads Secrets
Natürlich verraten wir dir nicht alle unsere Färbegeheimnisse
die unsere Farbgalerie ausmachen –
ein bisschen Magie muss schließlich bleiben.
Aber wir geben dir hier einige Einblicke,
die dir helfen,
die Besonderheiten handgefärbter Garne besser zu verstehen.
🧬 Zwei Faserwelten – zwei Farbwelten
Pflanzliche Fasern
– also alle auf Cellulosebasis wie Baumwolle oder Leinen –
werden basisch fixiert.
Tierische Fasern
– wie Seide oder Wolle auf Eiweißbasis –
hingegen sauer.
Dieses Grundprinzip der Handfärbung führt
zu ganz unterschiedlichen Farbausprägungen,
je nachdem, welche Faser gefärbt wird.
Und genau diese Unterschiede machen unsere Garne so spannend –
denn bei Tentakulum Painters Threads werden sie
durch unsere spezielle Technik der „Handbemalung“ sogar noch verstärkt.
🧪 Farbe, die reagiert
Unsere Tentakulum Painters Threads
entstehen in liebevoller Handarbeit
in unserer kleinen Färbemanufaktur.
Wir verwenden Faserreaktivfarben, die
– wie der Name schon sagt –
mit der Faser eine chemische Reaktion eingehen.
Das bedeutet:
Die Farbe verbindet sich dauerhaft mit dem Garn,
was eine gute Waschbeständigkeit und Farbfixierung ermöglicht.
Aber – und das ist wichtig:
Was in der Industrie mit Hochdruck und Chemie passiert,
gelingt in der Handfärbung mit Gefühl und Geduld –
dafür aber ohne aggressive Fixierzusätze.
☝️ Und jetzt kommt der ehrliche Teil
Die Farbe bei der industriellen Färbung
wird regelrecht in die Faser geschossen,
um möglichst tief einzudringen
und viele Faseratome zur Verbindung zu überreden.
Bei der Handfärbung hingegen trägt der Mensch die Farbe
mit dem Druck auf, den seine Hände eben erzeugen können.
Das Ergebnis?
Es bleibt immer ein Teil von Farbmolekülen auf der Oberfläche –
nicht ganz so tief verankert.
Diese Moleküle sind manchmal etwas…
untreu.
Sie lösen sich beim Waschen –
ähnlich wie Menschen, die einfach gehen,
wenn es ihnen zu heiß wird 😉
Besonders helle Stickuntergründe
und weiße T-Shirts im selben Waschgang
finden das übrigens gar nicht lustig.
💡 Unser Tipp:
Stickstücke am besten separat waschen –
oder noch besser:
erst nach dem Sticken
und nur ganz vorsichtig.
Denn jede Farbe, die bleibt,
ist ein Zeichen echter Handarbeit.
🐑 Warum Farben je nach Material anders wirken🌿
Die chemische Reaktion, die beim Färben entsteht,
erklärt auch, warum ein und dieselbe Farbe
auf verschiedenen Garnen
ganz unterschiedlich erscheint.
🐑 Tierische Fasern wie Seide oder Wolle (also Eiweißfasern)
geben zum Beispiel Braun häufig
mit einem rötlichen Unterton wieder.
🌿 Pflanzliche Fasern wie Baumwolle (Cellulosefasern)
wirken in Braun eher heller –
und Viskose zeigt wieder ein anderes,
oft intensiveres Farbbild.
🪄 Ein kleiner Farbenzauber
Wir haben uns bewusst für ein Braun in unserem Farbbeispiel entschieden
– denn Braun ist eine faszinierende Mischfarbe
und ganz und gar nicht langweilig!
Wenn man das Farbpulver auf ein weißes Tuch streut
und mit Wasser auflöst
– so wie beim Erstellen der Farblösung passiert –
zeigt sich schnell:
Diese Farbe besteht aus vielen einzelnen Farbpigmenten,
die in der Lösung sichtbar werden –
kleine Partikel in unterschiedlichsten Nuancen,
die miteinander reagieren.
Mischen wir diese Farbe nun mit einer weiteren,
entstehen neue, oft unvorhersehbare Farbtöne –
jede Mischung ist ein kleines Abenteuer!
🧵 Und dann kommt das Material ins Spiel…
Auch das Garn selbst beeinflusst, wie die Farbe aufgenommen wird.
Nicht nur die Faserart
– also z. B. Baumwolle oder Seide –
spielt eine Rolle,
sondern auch die Verarbeitung der Faser:
All das hat Einfluss darauf,
wie die Farbe bricht, leuchtet oder glänzt.
Kurz gesagt:
Jeder Strang ist ein Unikat
und genau das macht handgefärbte Garne so lebendig.
Ein praktisches Beispiel
👩🎨Die Farbe 129 Friedrich
benannt nach dem nordeutschen Maler Caspar David Friedrich


Baumwolle

Baumwolle

Seide

Viskose

Cupro/Polyester

Wolle
🧑🏭Was Handfärbung von industrieller Färbung unterscheidet
Der Unterschied zwischen industriell und handgefärbtem Garn
zeigt sich besonders deutlich,
wenn man einen Strang im Querschnitt betrachtet:
Bei handgefärbten Garnen
– insbesondere bei dickeren Qualitäten –
bleibt der Kern oft heller,
weil die Farbflüssigkeit nicht tief in alle Fasern eindringt.
Die Farbe liegt meist auf der Oberfläche –
und das macht den besonderen Reiz dieser Garne aus.
🤲 Kein Mensch ist eine Maschine – zum Glück!
Menschen können nie die gleiche Präzision erreichen wie Maschinen.
Aber ist es nicht genau das, was uns inspiriert?
Wenn aus einem vertrauten Farbton plötzlich ein neuer,
lebendiger Zwischenton auftaucht?
Wenn jeder Strang eine kleine Überraschung bereithält?
Die international renommierte Textilkünstlerin Heide Stoll-Weber, Inhaberin von „farbstoff“, brachte es einmal wunderbar auf den Punkt:
„Es ist jedes Mal so spannend, wenn man vor der Waschmaschine wartet und nicht weiß, wie das Produkt diesmal wieder herauskommt.“
💃Farben tanzen miteinander
Beim Auftragen von Farbe ist vieles planbar –
aber nicht alles kontrollierbar.
Wenn ich etwa drei Farben auf ein Garn auftrage,
versuche ich, die Abstände gleichmäßig zu gestalten.
Doch sobald Gelb plötzlich mit Blau in Berührung kommt,
entsteht ein überraschendes Grün.
Rot mischt sich mit Gelb –
und ein sattes Orange entsteht.
Und genau diese zufälligen Farbverläufe sind das,
was handgefärbte Garne
lebendig,
einzigartig
und voller Charakter macht.
🎊 Vielfalt statt Gleichförmigkeitielfalt statt Gleichförmigkeit
Handfärberinnen und Handfärber sind
Künstlerinnen und Künstler –
genau wie die Menschen,
die mit unseren Garnen arbeiten.
Wir lieben keine Gleichheit,
sondern Ausdruck,
Veränderung,
das Spiel mit Farben.
Und wir möchten
alle kreativen Textilgestaltenden ermutigen,
sich auf diese Vielfalt einzulassen.
Denn was daraus entsteht,
ist so individuell wie der Mensch,
der damit arbeitet.

Verschiedene „Erscheinungsformen“ der Farbe 101 Macke
(dargestellt in Seidensticktwist).
Dies ist eine der schwierigsten Farben,
weil sie sowohl gelb als auch rot und blau enthält.
Eine Mischung, vor deren Zusammenstellung
jedes Buch über das Handfärben warnt…
🦋 Individualität in einer gleichförmigen Welt
In einer Zeit, in der man selbst im entlegensten Winkel der Welt
die immer gleichen Logos von McDonald’s, H&M oder Aldi findet,
ist es ein Geschenk,
sich wieder auf das Eigene zu besinnen.
Die Arbeit mit handgefärbten Garnen ist ein Weg dorthin –
voller Farbe, Gefühl und Persönlichkeit.

109 Picasso in Perlgarn #8 – mal hell – mal dunkel – obwohl sich die Mischung der Färbelösung nicht verändert hat

115 GrandmaMoses
oben: Perlgarn #8 (merzerisierte Baumwolle)
unten: Mattgarn (nicht merzerisierte Baumwolle)
🌦️ Wenn nicht nur der Mensch die Farbe bestimmt
Manchmal liegt es gar nicht an der künstlerischen Kreativität
der Färberin oder des Färbers –
sondern an Dingen, die sich kaum beeinflussen lassen.
Das Ergebnis eines Färbevorgangs hängt von vielen Faktoren ab,
die außerhalb unserer Kontrolle liegen –
und dennoch großen Einfluss haben:
Wasserqualität
Weiches Wasser sorgt für kräftigere Farben, hartes Wasser kann sie stumpfer erscheinen lassen.
Luftfeuchtigkeit
Ist die Luft zu feucht, erschwert das das Eindringen der Farbe ins Garn.
Vorbehandlung der Garne
Vor allem bei Baumwolle kann z. B. der Gehalt an Mercerisierungslauge variieren – und damit das Farbergebnis beeinflussen.
Kosmische Einflüsse
Ja, wirklich! Nach unseren intensiven Beobachtungen wirken sich sogenannte Blütentage förderlich auf Baumwolle aus, Fruchttage auf Seide – und Wurzeltage sind… sagen wir mal – ungünstig. 🌱🌕🌸
Ich habe das über Monate hinweg getestet – mit durchaus verblüffenden Ergebnissen.
🫗 Farben – ein lebendiger Werkstoff
Selbst die Farbpulver, die wir verwenden,
unterliegen natürlichen Schwankungen.
Die Farbe „Jade“ kann mal eher ins Grün, mal ins Blau tendieren.
„Zitrone“ ist mal strahlend gelb, mal leicht grünlich.
Und manchmal… ist sie einfach plötzlich nicht mehr lieferbar.
Dann heißt es: zurück an den Färbetisch, neue Mischung, neue Tests –
oft ohne Chance, den alten Ton exakt zu treffen.
Der Spruch „Veränderung ist das einzig Beständige im Leben“
passt nirgendwo so gut wie in eine Färbewerkstatt.
Ein Chemiker hat einer Gruppe von StudentInnen, die sich einfach das Geheimnis der ständig wechselnden Erscheinungsform ein und derselben Farbe nicht erklären konnten erklärt: von 50 Bücher über Chemie handeln 40 von der Farbenchemie… Danach wurde nie wieder in Zweifel gezogen, dass unterschiedliche Farbbäder nicht am nur im Können der Person liegen, die die Garne produziert.
⚖️ Von Löffeln, Pulvern und dem ganz normalen Wahnsinn
Auch das Verhalten der Farbpulver selbst variiert von Lieferung zu Lieferung.
Was gestern noch feinkörnig wie Sand war,
ist heute plötzlich mehlfein – und kaum löslich.
Viele Handfärberinnen (wir auch!) arbeiten nicht mit Grammangaben,
sondern mit Löffelmaßen – denn im Alltag ist das praktikabler.
Aber: Ein Löffel Sand wiegt mehr als ein Löffel Mehl.
Und wenn das Mehl sich nicht auflösen will, dann…
sind manchmal alle vorherigen Tests für die Katz gewesen. 😅

Dieses Farbpulver ist eine unserer wichtigsten Grundfarben: Grün.
Links eine Lieferung,
rechts die vorherige Lieferung.
Neben der Farbe hat sich auch die Konsistenz verändert (siehe oben),
links mehlig, rechts sandig.

Manchmal hat man Glück und die Färbung sieht doch ähnlich aus. In diesem Fall war es leider nicht so. Was vorher blaugrün war, ist jetzt gelbgrün.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir jetzt eigentlich alle Mischungen, die diese Farbe enthalten, neu testen müssten…

So unterschiedlich sieht die Farbe 121 Cezanne nun aus,
die als Basisfarbe das oben gezeigte Grün verwendet…
oben: altes Farbpulver
unten: neues Farbpulver
Procion MX – und warum „MX“
manchmal für Magie steht
Viele kennen die beliebten Faserreaktivfarben „Procion MX“.
Das „MX“ steht für Mischung,
denn nur wenige Farben dieser Serie sind tatsächlich rein.
Die meisten Töne bestehen aus mehreren Komponenten –
und obwohl sie industriell produziert werden,
kann es auch hier zu Unterschieden von Charge zu Charge kommen.
🧪Mischen aus Mischfarben – willkommen im Farblabor
Um unsere ganz eigenen Farbtöne zu erhalten,
mischen wir aus diesen vorgegebenen Mischfarben
unsere Favoriten zusammen. Klingt kompliziert?
Ist es manchmal auch 😅
Stell dir vor, wir kombinieren zwei sandartige Pigmente –
beide aus unterschiedlichen Pigmentmischungen.
Plötzlich kommt eine Lieferung,
bei der einer der beiden Farbtöne
mehlartig statt sandkörnig ist.
Was passiert?
Die Mischung setzt sich anders ab,
die schwereren Pigmente sinken schneller –
und das ursprüngliche Verhältnis stimmt nicht mehr.
👁️ Fürs Auge gleich – im Ergebnis doch anders
Selbst wenn wir die Farben gut schütteln, bevor wir sie ansezten,
kann sich die schwerere Komponente am Boden sammeln.
Für unser Auge sieht das Pulver in der Dose völlig vertraut aus.
Aber beim Färben zeigt sich:
Die Mischung ist nicht mehr exakt dieselbe –
und das Ergebnis weicht ab, oft ganz leicht,
manchmal aber auch überraschend deutlich.
🥳
Und genau das ist der Alltag in einer Färbemanufaktur:
Ein Spiel aus
Wissen,
Erfahrung,
Experiment
– und einer ordentlichen Portion Geduld.
Noch ein paar Beispiele
schwieriger Farben,
die mal so
und mal anders
aussehen…

Baumwolltresse


Farbe 115 „GrandmaMoses“
